Jasslehrgang
Geschichtliches

Die Geschichte

 

Das schweizerische Kartenspiel, der Jass, ist schon oft als helvetischer Nationalsport Nummer eins bezeichnet worden. Wenn dabei auch ein ironischer Unterton nicht zu überhören ist, so beweist diese Einstufung doch, wie beliebt und verbreitet der Jass bei uns ist, und wie viele gemütliche Stunden in trautem Kreise damit verbracht werden.

Wie die meisten Spiele kommt auch das Kartenspiel aus dem Orient. Es wurde vor rund 700 Jahren von den heimkehrenden Kreuzrittern nach Europa gebracht, wo man bis zu diesem Zeitpunkt nur Brett- und Würfelspiele kannte. Da man mit den fremdländischen Bildern auf den Karten nicht viel anfangen konnte, entwickelten sich neue Karten, die der europäischen Wesensart näher lagen. Es entstanden französische, deutsche und italienische Karten.

Die ältesten schweizerischen Karten sind im Basler Historischen Museum ausgestellt und datieren aus dem Jahre 1470. Die Kartenbilder bestehen aus Schellen, Schilten, Eicheln und Federn. Mag sein, dass sich schon damals manch einer als gerupftes Huhn fühlte, oder es ging schon so turbulent zu, dass die «Federn» flogen - kurzum, man sah sie offenbar nicht allzu gerne ständig vor den Augen, und so wurden sie mit der Zeit durch Rosen ersetzt, die angenehmere Gefühle erzeugen mochten.

Geographisch gesehen werden die französischen Karten in der Welschschweiz, Solothurn, Basel, Aargau (ohne Freiamt), Graubünden und im Thurgau, dem Bodensee entlang, gespielt. Die deutschen Karten sind in der lnnerschweiz, Luzern, Zürich, Zug, Glarus, St. Gallen und dem Rest des Thurgaus gebräuchlich. Dem eifrigen Jassjünger wird empfohlen, schon zu Beginn seiner Karriere sowohl die französischen als auch die deutschen Karten kennenzulernen, um so mehr, weil die Spiele im Aufbau und in der Bewertung sozusagen identisch sind. Beide Spiele setzen sich aus vier Gruppen - auch Farben genannt - zu je neun Karten, total also aus 36 Karten zusammen.

Das französische Kartenspiel

besteht aus den vier Farben:

    Schaufel (pique)

   Ecke (carreau)

   
      Kreuz (trèfle)
     Herz (coeur)
   
Jede Farbe besteht aus:
As (Zählwert 11 Punkte)
König (4 P.)
Dame (3 P.)
Bub oder Bauer (2 P.)
Zehner (10 P.)
Neuner (ohne P.)
Achter (ohne P.)
Siebner (ohne P.)
Sechser (ohne P.)

 

 

Das deutsche Kartenspiel

besteht aus den vier Farben: Karten anzeigen

    Schelle
    Schilte
 
      Eichel
 
    Rose
   
Jede Farbe besteht aus:
   
As (Zählwert 11 Punkte)
König (4 P.)
Dame (3 P.)
Bub oder Bauer (2 P.)
Zehner (10 P.)
Neuner (ohne P.)
Achter (ohne P.)
Siebner (ohne P.)
Sechser (ohne P.)
     

 

Vergleichen wir die deutschen mit den französischen Karten, so stellen wir fest, dass sie einander zum Teil sehr ähnlich sind. Dies gilt besonders für die Figuren König, Dame (Ober) und Bauer (Under). Anders bei As und Banner (Zehner), deren Unterschied man sich gut einprägen muss. Merkt man sich die besonderen Kennzeichen, bereitet die Handhabung der beiden Kartenspiele keine besondere Mühe.

Der Trumpf und die Punkte

 

Bei diversen Jassarten wird eine bestimmte Farbe zum Trumpf erklärt, sei es durch Abheben oder durch Ansage. Bei der Trumpffarbe zählt der Under / Bauer 20 P. und ist zugleich die stärkste Karte. Die zweit stärkste Karte ist der Trumpf-Neuner, auch Nell genannt (14 P.). Dann folgen As (11 P.), König (4 P.), Ober / Dame (3 P.), Banner / Zehner (10 P.) sowie Acht, Sieben und Sechser ohne Zählpunkte. König und Ober / Dame zusammen sind die «Stöck» und zählen als Weis gemeinsam 20 Punkte.

Bei Spiel «Obenabe» und «Undenufe» zählen die Achter je 8 Punkte. Beim «Undenufe» werden zudem vielerorts die Sechser mit 11 Punkten berechnet und die Asse mit 0. Der letzte Stich des Spiels zählt 5 Punkte, was eine Gesamtpunktzahl von 157 Punkten pro Spiel ergibt. Wenn ein Team oder ein Spieler alle Stiche eines Durchgangs macht, gibt es zusätzlich eine Matchprämie von 100 Punkten.

An einem Jass können 2, 3, 4, 5 oder 6 Personen teilnehmen. Je nach Jassart ist ein Spieler für sich allein, oder zwei gegen zwei (Schieber) oder drei gegen drei (Sechser Schieber).

Normalerweise wird solange gespielt, bis eine gewisse Punktzahl erreicht ist, die der Summe der Zählpunkte der gewonnenen Karten entspricht. z. B. 1000 oder 2000 Punkte. Bei andern Arten geht es oft nur um ein gewonnenes Spiel ohne Zählwert der gewonnenen Karten, wobei dem Sieger ein Strich auf der Tafel gutgeschrieben wird (Schellenjass).

Des Jassers höchstes Gebot !

Er muss immer peinlich genau wissen, wie viele Trümpfe gegangen sind und welche Karten «Bock» sind. Will er sich gar «Jassmeister» nennen, so weiss er auch über die gespielten Farben und Karten Bescheid.