Jassauskunft
Weis

Der Weis

 

Lieber Jassonkel

Wie ich erfahren habe, gibst Du über Jassspiele Auskunft. Es handelt sich um folgenden Fall. Bei einem «Zuger» spielen A und B zu zweit. A steigt wegen schlechten Karten aus und überlässt B das Spiel. B zählt vereinbarungsgemäss die Punkte der beiden Spiele und macht der Reihe nach folgende Weise geltend.- Fünfzig von einem As, Dreiblatt von einem As und Hundert alle Ober. A wollte nun den Hunderter-Weis (vier Ober) nicht anerkennen, da nach Jassreglement immer zuerst der höchste Weis gemeldet werden müsse. B war anderer Meinung, da ja gar nicht gespielt worden sei und somit die Reihenfolge der Weise keinen Einfluss auf das Spiel gehabt hätte. Wer ist hier im Recht?

Mit bestem Dank für Deine Antwort und mit freundlichen Grüssen Dein Neffe W S.

Mein lieber Neffe W. B. in Malters

Es kommt nicht oft vor, dass ich mit einigem Unbehagen auf ein Jassproblem antworte. Aber heute ist dies der Fall. Nicht weil Du mich angefragt hast, mein lieber Neffe, sondern darum, weil ich dem Spieler A recht geben muss, dem ich viel lieber deutlich die «Leviten» verlesen hätte. Leider bleibt mir nichts anderes übrig, als mich an das Jassreglement zu halten und da beim Teilen im «Zuger» keine Ausnahme gemacht wurde, kann sich Herr A auf die buchstabengetreue Auslegung im Reglement berufen. Hoffentlich hat es ihm Spass gemacht ! Ich muss mich allerdings fragen, ob das noch ein vergnügliches Spiel unter Jasskollegen ist? Doch eher kleinliche Pedanterie, um ein paar schäbige Rappen zu ergattern.

Ich weiss nicht, mein lieber Neffe, ob Du Herr A oder B bist. Bist Du zufälligerweise Herr A, sei bitte nicht beleidigt und denke in Ruhe über die Sache nach. Vielleicht sprichst Du nochmals mit Deinem Jasspartner und erklärst ihm, dass Du falsch gehandelt hast, obwohl Du reglementsgemäss im Recht bist.

Mit freundlichen Grüssen Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Bei unserem letzten «gemütlichen» Jass sind wir wieder einmal in eine hitzige Diskussion geraten. Sie drehte sich um den «Weis». Spieler A hat Hundert vom As in fünf Karten. Spieler B weist Hundert vom Ober in sechs Karten. Spieler A beharrte nun darauf dass ein Fünfblatt von einem As nur von einem Sechsblatt von einem As abgewiesen werden könnte. Ich bin allerdings der Meinung, dass ein Fünfblatt jederzeit von einem Sechsblatt abgewiesen werden kann ohne Rücksicht von der Kartenhöhe. Wer hat nun recht? Sind die Regeln beim «Undenufe » und «Obenabe » gleich? Ich hoffe sehr, dass ich mit Deiner Antwort für immer diese leidigen Diskussionen umgehen könnte.

Mit bestem Dank für Deine Mühe Dein Neffe M. C.

Mein lieber Neffe M. C. in Luzern

Da «gemütlich» in Anführungszeichen gesetzt ist, kann ich ohne ein Sherlock Holmes zu sein - den vielsagenden Schluss ziehen, dass es in Eurer Diskussion ziemlich turbulent zugegangen sein muss. Nun, das kommt in den besten Familien vor... Einmal eine Kropfleerung bei einem heissen Jass verhindert vorzeitige Bildung von Gallensteinen, sofern man als Kompensation nicht etwa ein «blaues Auge» einhandelt, was auch schon vorgekommen sein soll ! Aber Spass beiseite. Nach Jassreglement ist primär die Anzahl Karten für die Bewertung eines Weises massgebend. Ein Sechsblatt z. B. von einem «Under» schlägt deshalb immer ein Fünfblatt, auch wenn dieses von einem As ist. Ein Siebenblatt schlägt darum auch ein Fünf- oder Sechsblatt und so geht es weiter bis hinauf zu einem Neunblatt. Deine Auffassung ist denn auch absolut richtig. Das Gesagte gilt auch für «Obenabe» und mit der Einschränkung für «Undenufe», dass beim letzten Weis innerhalb der gleichen Anzahl Karten der kleinere Kartenwert gültig ist.

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel