Jassauskunft
Untertrumpfen

Untertrumpfen

 

Lieber Jassonkel

Mit grösstem Interesse verfolge ich jeden Samstag den Jassbriefkasten. Kürzlich hatten wir am Stammtisch eine kleine Auseinandersetzung. Mein Gegner zog beim drittletzten Umgang eine Schelle. Schilte war Trumpf. Mein Partner stach mit dem Schilten- Ober hinein. Der Partner des Gegners hatte noch zwei «faule» Trümpfe und das Rosen-As. Ein Nichtmitspieler behauptete nun, er dürfe untertrumpfen, wir aber glaubten, er müsse wohl oder übel das As schmieren. Zuallerletzt wussten alle vier nicht mehr, ob in diesem Fall untertrumpfen gestattet war oder nicht. Auf Deine Antwort sind wir gespannt.

Mit bestem Dank und freundlichen Grüssen Dein Neffe K. B.

Mein lieber Neffe K. B. in S.

In vielen Wirtschaften hängt oft ein gut sichtbares Täfelchen an der Wand, auf dem geschrieben ist: «Nichtspieler Maul halten !» Dass dieses Täfelchen nicht ohne Grund aufgehängt ist, beweist Euer Vorfall. Der Zuschauer hätte besser geschwiegen, dann hätte Dein Gegner das Rosen-As angegeben, was richtig gewesen wäre. Er hätte nur Untertrumpfen dürfen, sofern er nur noch Trümpfe - in Eurem Fall also noch drei Schilten - in der Hand gehabt hätte. Überstechen war natürlich erlaubt, sofern er einen höheren Trumpf gehabt hätte als der Schilten-Ober es war.

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Kannst Du mir folgenden verzwickten Knoten lösen? Wir jedenfalls wurden nicht einig, und deshalb habe ich mich entschlossen, an eine «höhere» Instanz zu gelangen. Und da ich schon einmal beim Stellen von Fragen bin, so dopple ich gleich mit einer zweiten nach.

Frage 1: Es geht um den gewöhnlichen Schieber-Kreuziass. Es war Rosen Trumpf. Der Ansager der Gegenpartei spielte das Nell aus, ich den Panner (als einzigen Trumpf), der zweite Gegner gab einen kleinen Trumpf und mein Partner, der Trumpf Bauer und Trumpf As hatte, sollte normalerweise mit dem Bauer stechen. Statt dessen gab er aus Versehen Schilten Under. Auf das Erstaunen der anderen nahm er den Schilten Under wieder zurück und stach mit Trumpf Bauer. War das erlaubt oder was hätte geschehen sollen?

Die 2. Frage betrifft das «Untertrumpfen». Wann darf man untertrumpfen: a) wenn der Trumpf ausgespielt wird? oder b) wenn nicht Trumpf ausgespielt wird?

Mit besten Grüssen Dein F. X. A. in Kriens

Lieber F. X. A.

Ich verstehe Deinen Kummer. Immer wieder kommt es in der Praxis zu Schwierigkeiten, auch wenn man sich theoretisch noch so gut beschlagen glaubt. Nun, der Knoten lässt sich lösen.

Zu Frage 1: Im Schweizerischen Jassreglement heisst es: «Wer eine unrichtige Karte angibt, und der Irrtum wird während dem gleichen Stich entdeckt muss die unrichtige Karte wieder zurücknehmen (ausgenommen beim «Pandur» und beim «Schlager»: bei diesen Jassarten gilt ein solcher Irrtum als verlorenes Spiel). Er - derjenige, der den Fehler beging - darf den betreffenden Stich nicht mehr stechen, es sei denn, er habe keine kleinere Karte der betreffenden Farbe in den Händen.» Da diese Regel auch für die Trumpffarbe gilt, ist der Gegner im Recht, und Dein Partner muss wohl oder übel auf sein schönes As verzichten. Gewiss ein harter Entscheid für einen offensichtlichen «Fingerfehler». Der Onkel hofft aber, dass der Fehler kein Vreneli gekostet hat!

Zu Frage 2 (Untertrumpfen): a) Wenn Trumpf ausgespielt wird, gilt einfach das Prinzip des Farbhaltens, mit Ausnahme vom Trumpfbauer. Man darf jederzeit untertrumpfen. b) Wenn nicht Trumpf ausgespielt wurde, darf man nicht untertrumpfen. Beispiel: Der Spieler A1 hat die Rosenzehn ausgespielt, Gegner B1 sticht mit dem Rosenas, und Spieler A2 sticht mit dem Schellenas als Trumpf. Gegner B2 hat nun als letzter nur noch das Schilten-As und den Schellenkönig (Trumpfkönig) in den Händen. Wohl oder übel muss er das Schilten-As angeben, er darf nicht etwa mit dem Trumpfkönig untertrumpfen. Hätte er aber an Stelle des Schilten-Asses nur noch Trumpf, etwa den Trumpfpanner, darf er den Trumpfkönig angeben. Hätte er noch Nell und König, stünde es ihm frei, zu untertrumpfen, also den Schellenkönig anzugeben, oder mit dem Trumpfnell zu stechen, was B2 bei einem so fetten Stich sicher nicht versäumen würde.

Mit herzlichem Gruss Dein Jassonkel
Stiche nachsehen

Der Gegner hat das Recht, während des zweiten Stichs nochmals das erste Spiel zu sehen. Dieses Recht gilt aber ausdrücklich nur während des zweiten Stiches und nachher nicht mehr. Einem Spieler ist es nicht verboten, jederzeit in sein eigenes Spiel Einsicht zu nehmen. Das sollte aber möglichst selten vorkommen.

Der «Bock»

Ein Spieler, der die höchste Karte einer Farbe ausspielt, also eine Karte, deren höhere Werte bereits abgespielt wurden, darf «Bock» ansagen. Spielt er zum Beispiel Rosen- Neun nachdem von der Rose Banner, Under, Ober, König und As bereits ausgegeben wurden, so sagt er «Bock». Ist aber noch eine höhere Karte als die ausgegebene im eigenen Besitz, so darf nicht «Bock» angesagt werden. Wird «Bock» angesagt und es stimmt nicht, hat jeder Spieler das Recht zu intervenieren und zu sagen «kein Bock».

Verboten ist ebenfalls der Hinweis «kein Bock» oder die Anfrage eines andern Spielers: «Ist diese Karte ein Bock'?»

«Farben»

Im normalen Jass gilt das Prinzip des Farbhaltens. Versehentliches oder gar bewusstes Durchbrechen dieser Regel führt zu «folgenschweren» Sanktionen. Da gibt - um ein Beispiel zu zitieren - in einem Schieber Partner A eine Schelle aus. Gegner Y besitzt diese Farbe nicht und legt eine Schilte darauf (weder Schelle noch Schilte ist Trumpf !). Partner B nun, als Dritter, gibt aus Versehen das Schilten-As, in der Meinung, Schilte sei als 1. Karte gespielt worden. Natürlich muss er das Schilten-As zurücknehmen und eine Schelle spielen, aber durch das falsche Ausspielen hat er dem Partner seine Stärke auf Schilten kundgetan. Das Spiel ist «verraten !» Zur «Strafe» darf Partner A sofern er im Stich bleibt - in der darauffolgenden Kartenausgabe keine Schilte nachspielen, es sei denn, er habe in der Hand nur noch diese Farbe. Macht aber Partner B, der den Fehler gemacht hat den Stich, so muss er die verratene Karte sofort ausspielen. Diese Auslegung ist hart, aber korrekt. Denn nur so kann verhindert werden, dass die Partner A und B nicht zu einem direkten oder indirekten Vorteil gelangen.