Jassauskunft
Undenufe-Obenabe

«Undenufe-Obenabe»

 

Ich bin traurig, darum mein Brief mit schwarzem Rand. Würdest Du so gut sein und mir die folgende Frage klären: Wer darf den Hunderter beim «Obenabe-Undenufe» - Jass schreiben? Der, weicher ein Siebenblatt vom König oder derjenige, welcher ein Fünfblatt vom As weisen kann? Letzterer behauptet, die höheren Karten gelten, die Anzahl spiele keine Rolle. Stimmt das?

Mit freundlichen Grüssen Dein Neffe R. M.

Mein lieber Neffe R. M. in Luzern

Diesmal sollte auch der Jassbriefkasten einen Trauerflor tragen. Mit dreimonatiger Verspätung ist mir Deine Anfrage zugestellt worden. Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass der schwarze Rand schuld daran ist, und Dein Brief deshalb in die Rubrik «Todesfälle» geraten ist ! Da in letzter Zeit beinahe ausschliesslich über den Weis bei «Undenufe-Obenabe» diskutiert wurde, bist Du wahrscheinlich schon längst informiert, dass beim Weisen - sogar bei «Undenufe» ! - immer die grössere Kartenzahl und nicht die Kartenhöhe massgebend ist. Zweihundert, vier «Puure», sind bekanntlich die einzige Ausnahme.

Mit herzlichem Gruss Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Letzthin hatte ich eine Diskussion mit einem bekannt raffinierten Jasser, der mir bei einem «Undenufe» nachstehenden Vorfall erzählte: Sein Gegner habe Hundert von einem Banner gewiesen, er aber Hundert von vier Königen und daher sei sein Weis besser gewesen, da bei «Undenufe» vier Könige niederer seien als ein Fünfblatt! Der Gegner meines Bekannten ist aber mit ihm gar nicht einig gewesen, obwohl dieser ihm sagte, dass im «Blick» ein ebensolcher Fall behandelt worden sei, wobei im fraglichen Fall noch eben der Weis mit vier Karten gegolten habe. Ich persönlich habe noch nie einen solchen Streitfall erlebt. Es interessiert mich aber insofern, falls ich einmal in die gleiche Lage kommen sollte. Ich danke Dir zum voraus für Deine gefällige Antwort.

Mit herzlichen Grüssen Dein Emil in Baar

Mein lieber Neffe E. St. in Baar

Mit Verlaub wage ich doch ein wenig am «raffinierten Jasser» zu zweifeln, wenn er sich über die Jassregeln nicht besser auskennt, denn über den Weis bei «Undenufe» hat das Jassreglement ein ausführliches Kapitel gewidmet. Nein, mein lieber Emil, der Fall ist eindeutig klar. In erster Linie ist auch bei « Undenufe» die Anzahl der Weiskarten massgebend, denn sonst würde ja jederzeit ein Dreiblatt ein Vier- oder Fünfblatt abweisen, was wirklich nicht logisch wäre. Hingegen innerhalb der gleichen Kartenzahl ist der niedrigere Weis gültig. Vier Banner sind dann besser als vier Ober.

Mit herzlichem Gruss Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Kannst Du mir helfen? Was soll ich mit einem Jasspartner anfangen, wie ich einen habe? Er ist sonst ein lieber Kerl er hat nur einen Fehler - er meint, er sei ein guter Jasser... Höre die ergötzliche Geschichte. Spielten wir kürzlich einen Schieber mit «Undenufe- Obenabe». Mein Partner - nennen wir ihn «Bänz von Bänzenschwil» - war an der Reihe zur Ansage. Er hatte ein Dreiblatt vom Schellenkönig sowie zwei gut «besetzte» As in den Händen. Eigentlich überflüssig zu bemerken, was für eine Ansage in Frage kam. Aber «Bänz» glaubte, er sei ein «Oberschlauer» und machte Schellen Trumpf. Das hätte ich zur Not noch verkraften können, aber was nun folgte, ging über meine gutmütige «Kuhhaut». Bänz iasste nämlich so raffiniert, dass er es fertig brachte, im Spiel ganze 20 Punkte zu machen ! «De heds mier sogar de Noggi usegiagt»

Mit freundlichen Grüssen Dein Neffe HPB

Mein lieber Neffe HPB in Luzern

Ob dem Meisterstück, das der Zauberkünstler «Bänz» fertigbrachte, blieb auch mir vor Staunen der Mund offen. Wenn es am Aschermittwoch passiert wäre, könnte man mit einem Achselzucken darüber hinwegsehen: «Es war halt Fasnacht.» Aber vielleicht hat Dein lieber Partner das ganze Jahr Fasnacht und spielt - eventuell nur beim Jass - den « Bajass». Aus Deiner Reaktion kann ich schliessen, dass Du kaum anders denkst. Ob «Bänz» noch zu helfen ist, bezweifle ich. Probier es mal mit einem geistig weniger anspruchsvollen Spiel. Etwa mit «Schwarzpeter» oder «Schälle-Sau-Uselegge». Es gibt sogar Professoren, die speziell das letztere Spiel unsinnig lustig finden. Unter Umständen könnte auch ein leichter Fortschritt beim Schieber erzielt werden, wenn Bänz den ganzen Abend hindurch nur Mineralwasser trinken würde.

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Als langjähriger Abonnent der LNN möchte ich Dich auch gerne einmal um eine Auskunft bitten. Wir spielten einen gemütlichen «Undenufe-Obenabe» beim «Schlüssel-Grossi» in Dallenwil. Ich hatte die Ansage, machte «Undenufe», gab die Eichel-Sechs aus und konnte korrekt vier Bauern weisen. Der Jass ging rassig weiter, es gab noch einen Match und alles zählte vierfach ! Die Gegenpartei war nun der Ansicht, dass vier Bauern bei «Undenufe» gesetzlich ungültig seien. Stimmt das?

Ich freue mich auf Deine Auskunft. Mit iasskollegialem Gruss Dein Neffe Kübeler-Nöldi

Mein lieber Neffe A. v. H. in Stans

Ohne Zweifel habt Ihr wirklich eine gemütliche Jassrunde beisammen. Das sieht man schon daran, wie Ihr Euch kollegial untereinander tituliert, und dass Ihr aus einer Meinungsverschiedenheit keine Staatsaffäre macht. So stelle ich mir einen idealen Jasstisch vor, rassig, kämpferisch - aber immer mit «Plausch». Ob es bei Euch im lieblichen Nidwaldnerland gesetzlich verboten ist, bei «Undenufe» vier Bauern zu weisen, kann ich Dir mangels Aktivlegitimation nicht eindeutig sagen, da ich mich im Dschungel der kantonalen Gesetzesparagraphen zu wenig auskenne. Ich wage es aber mit guten Gründen zu bezweifeln. Nicht einmal der Kanton Appenzell hat über das Jassen ein spezielles Gesetz erlassen! Hingegen kann ich Dir mit aller Bestimmtheit mitteilen, dass es laut Schweizerischem Jassreglement auch bei «Undenufe» nicht verboten ist, vier Bauern zuweisen. Bei «Undenufe-Obenabe» gilt der einfache kleine Weis, egal was Trumpf ist. Deshalb sind vier Nell und bei «Undenufe» auch vier Sechser nicht weisbar, wie vielfach angenommen wird.

Natürlich kann ich der Gegenpartei lebhaft nachfühlen, dass es sie gejuckt hat, als Du volle 1828 Punkte bei vierfach schreiben wolltest. Ich habe sie leicht im Verdacht, dass sie versucht hat- und sei es nur aus Jux - auf nicht ganz einwandfreie Weise wenigstens 800 Punkte abzumarkten.

Ebenfalls mit jasskollegialen Grüssen Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Als eifrige Leserin Deines Briefkastens war ich bis anhin immer Deiner Meinung. Da ich nun AHV-Rentnerin bin und über genügend Zeit verfüge, spiele ich öfters einen Jass mit «Undenufe- Obenabe» und «Schelle-Schilte doppeft», mit je 9 «blinden» Karten. Kürzlich war ich an der Reihe zur Ansage und machte mit einem Dreiblatt vom Rosen-Sechs «Undenufe». Meine Gegnerin meldete aber Hundert von einem As in sechs Karten. Ich war nun der Meinung, mein Dreiblatt sei gut, weil ich «Undenufe» gemacht habe, meine Partnerin behauptete, aber entschieden, dass ihr Weis gültig sei. Nun möchte ich Dich, lieber Jassonkel, anfragen, wer im Recht ist. Ich möchte meine Jasspartnerin weder beleidigen noch verlieren, denn sie will mit mir nicht mehr spielen, bis die Streitfrage geklärt ist.

Besten Dank und freundliche Grüsse! Deine Nichte R. A. M.

Meine liebe Nichte R. .A. M. in Buochs

Da ich nicht schuld sein will, dass der Jass-Streik Deiner Partnerin noch länger andauert, habe ich gegen mein sonstiges Prinzip Deine Anfrage schneller als üblich zur Beantwortung an die Reihe genommen. Ich hoffe, die andern Nichten und Neffen werden mir deswegen nicht böse sein, denn es wäre schade, wenn Du auf eine Dir lieb gewordene Unterhaltung noch lange warten müsstest. Allerdings muss ich beifügen, dass Du selbst daran - wenn auch unabsichtlich - schuld bist, wenn es zu diesem harmlosen Streik gekommen ist, denn Deine Partnerin ist hundertprozentig im Recht.

Massgebend für den gültigen Weis auch bei «Undenufe» ist nämlich primär die grössere Anzahl Karten. Ein Vierblatt ist immer besser als ein Dreiblatt, und ein Fünfblatt immer besser als ein Vier- oder Dreiblatt usw. Innerhalb der gleichen Weisart ist aber bei «Undenufe» der Weis mit dem kleineren Kartenwert gültig. Hätte in Deinem Fall Deine Partnerin an Stelle des Hunderters ein Dreiblatt von einem As gewiesen, dann allerdings wäre Dein Weis vom Rosen-Sechs besser gewesen. Du hättest also nur eine Chance gehabt, den Weis Deiner Partnerin abzuweisen, wenn Du ebenfalls Hundert in sechs Karten, aber von tiefem Wert (Under, Ober oder König), oder aber in sieben oder mehr Karten gehabt hättest.

Es wird Dir nun sicher nicht schwer fallen, einzusehen, meine liebe Nichte, dass Du Dich geirrt hast. Deine Jasspartnerin wird bestimmt nicht versäumen, den Jass-Streik mit sofortiger Wirkung abzubrechen.

Herzliche Grüsse ! Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Vor mir liegt die Notiz in der Du (nicht zum ersten Mal) die Weisregel beim «Undenufe» - nach meiner Ansicht falsch ausgelegt hast. Du schreibst: «in erster Linie ist auch beim ,Undenufe' die Anzahl der Weiskarten massgebend, denn sonst wurde ja jederzeit ein Dreiblatt ein Vier- oder Fünfblatt abweisen, was wirklich nicht logisch wäre.»

Mir scheint, Du bist durch die «Anzahl der Weiskarten» selbst ein Opfer der Logik geworden, nicht aber der vom Anfrager erwähnte «Blick» und ebensowenig der «Jassprofessor» aus Basel. Letzterer vertritt die einzig logische Lösung, wenn man das Problem konsequent durchdenkt ...

Fazit: Sei einem Hunderter müssen die absolut billigsten Hundert die besten sein, sonst wäre es Unsinn und würde jeglicher Logik entbehren, einen fünfständigen Hunderter von einem Zehner besser zu erklären als einen Fünfblatt-Hunderter von einem As, oder einem niedrigen Dreiblatt den Vorrang zu gewähren und bei gleicher Höhe erst noch in Hinterhand. Ergo darf nicht die Anzahl Weiskarten ausschlaggebend sein. Entscheidend ist in jedem Fall die Weiskategorie und innerhalb dieser ist alles wie sonst bei «Undenufe» gegenüber dem Normalspiel verkehrt. Hier liegt - nochmals nach meiner Ansicht Dein Interpretationsfehler. Solltest Du mir überzeugend das Gegenteil dartun können, werde ich gerne umlernen.

Nüt für unguet! Dein H. R.

Mein lieber Neffe H. R. in Nidau

Zuerst einmal herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Brief, den ich aus Raumgründen leider nur auszugsweise wiedergeben konnte. Nun ist es doch soweit gekommen, dass ein Jassproblem, das mich schon lange beschäftigt hat, zu einem offenen Konflikt zwischen Basel und Zürich auszuarten droht.

Du und ein anderer kritischer Neffe aus Luzern habt mich nun aus dem «Busch geklopft». Ich habe mich mit dem Herausgeber des Schweizerischen Jassreglementes in Verbindung gesetzt und ihn um Stellungnahme gebeten. Zu einem spätem Zeitpunkt werde ich darauf zurückkommen.

Ich bin froh um Dein Schreiben. Lange Zeit konnte ich nicht begreifen, wie ein anerkannter Jassexperte zu dieser - für mich unverständlichen - Auslegung kommen konnte. Deine eingehende Begründung hat mir die Augen insofern geöffnet, dass es grundfalsch ist, einander mangelnde Logik vorzuwerfen. Es ist nämlich eine Standortsfrage. Nach dem Schweizerischen Jassreglement ist der Wert eines Weises primär nach der Anzahl der Karten begründet, während anderseits Dein zitierter «Jassprofessor» seine Beweisführung aufgrund von selbständigen Weiskategorien (Dreiblatt, Fünfzig und Hundert) abstellt. Du siehst, mein lieber Neffe, dass die Auslegung der Weisregel bei «Undenufe» nicht meine persönliche Erfindung ist, sondern dass ich mich einfach an das Schweizerische Jassreglement halte, wobei ich zugeben muss, dass ich diese als richtig erachte, weil ich seit Jahrzehnten immer so gejasst habe. Im Prinzip finde ich es durchaus nicht für nötig, dass beim Jass das hinterste Detail reglementiert sein muss. Beim Weis bei «Undenufe» hat es in den letzten Jahren aber so viel «Mais» abgesetzt, dass eine «Kappeler Milchsuppe» fällig ist, die zu einer einheitlichen Auslegung der divergierenden Auffassungen führen könnte. In diesem Sinne bin ich auch an den Herausgeber des Schweizerischen Jassreglementes herangetreten. Ob ich Erfolg haben werde, wirst Du in Kürze erfahren.

Inzwischen herzliche Grüsse Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

In Luzern wird der Schieber mit «Undenufe, Obenabe», «Schilte Schelle doppelt» meistens auf 2500 Punkte gespielt. Dabei zählt man bei «Undenufe» das As auch mit 11 Punkten und nicht die Sechs, wie dies in der Ostschweiz als das einzig Richtige angesehen wird.

Die Appenzeller sollen gar so weit gehen, und «Undenufe» sechsfach, «Obenabe» fünffach, Schellentrumpf vierfach, Schilten dreifach, Rosen zweifach und Eicheln einfach zu zählen. Sie spielen dabei bis 5000 Punkte. Etwas verrückt, meinst Du nicht auch?

Herzlich Dein Neffe M. B.

Mein lieber Neffe M. B. in Luzern

Es hat mich gewundert, wie lange es geht, bis sich einmal ein Neffe über die wirklich komischen Regeln, die in der sonntäglichen Jassrunde im Fernsehen herausposaunt werden, mokiert. Zufälligerweise habe ich diese bewusste Sendung auch gesehen, bei der «Undenufe» das As null und die Sechs elf Punkte zählen soll. Ich konnte nur noch den Kopf schütteln. Denn das ist ja gerade der Reiz bei «Undenufe», dass der «Obenabe» wohl etwas ähnlich und dennoch differenziert zu iassen ist, soll das Maximum herausgeholt werden, was z. B. beim «Sidi Barrani» mit «Undenufe Obenabe» merklich zu spüren ist. Aber nach der «Glanzidee», dass Jassen ein ernst zu nehmender Geistessport wie etwa Schach sein soll, ist es nicht verwunderlich, dass sogar noch eine Jassmeisterschaft aus der Taufe gehoben wurde. Es tut mir leid, da komme ich nicht mehr mit. Für mich ist Jassen in erster Linie Plausch und Vergnügen und wenn ich mich mit einem Partner geistig duellieren will, dann spiele ich eben Schach. Ein Jass, bei dem der Kartenwert vierfach und mehr zählt, ist meiner Ansicht nach ein Blödsinn. Denn hier ist das jasserische Können nicht massgebend, sondern ausschliesslich das Kartenglück. Als äusserste Grenze betrachte ich «Undenufe» und «Obenabe» als dreifach und «Schelle Schilte doppelt». Ein Jass wird nämlich nicht interessanter, wenn man die Kartenwerte vervielfacht. Vielleicht kommt zuletzt noch einer und will sie mit Hunderttausend oder gar einer Million multiplizieren. Wenn ein Schieber zu simpel geworden ist, probiere es einmal mit einem Schellenjass, wenn er gute Nerven hat - mit einem «Sidi Barrani» oder gar mit einem «blinden Differenzler».

Mit freundlichen Grüssen Dein Jassonkel