Jassauskunft
Pandur

Der Pandur

 

Lieber Jassonkel

Kürzlich spielten zwei Kollegen und ich einen «Pandur», 3mal 13 à Fr. 1.-. Als ich nun drei Punkte hatte, wollte ich zwei Franken bezahlen. Meine Überlegung war nämlich folgende: Wenn wir um eine Flasche Wein gejasst hätten, so werde ein Drittel auf meine Kosten gehen. Warum soll es bei den drei Franken nicht gleich sein? Ein Gegenspieler aber behauptete, ich müsse alle drei Franken auszahlen. Wer ist im Recht? Ich bitte Dich höflich, die Antwort in der Jassecke der LNN zu veröffentlichen.

Mit aufrichtigem Dank Dein Neffe A. H.

Mein lieber Neffe A. H. in Hitzkirch

Du bist mir aber ein ganz Schlauer! Du kommst mir beinahe vor wie manchmal meine bessere Ehehälfte. Bei der Haushaltabrechnung ist mir schon mit zauberhaften Rechenkunststücken klipp und klar bewiesen worden, dass ich derjenige bin, der falsch gerechnet hat. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, habt Ihr dreimal auf 13 Punkte (üblich beim Pandur sind sonst 11, 15 oder 17 P.) gespielt, wobei jedesmal ein Franken ausgemacht wurde. Du hast also dreimal verloren und deshalb sind auch die vollen drei Franken zu bezahlen. Beim Ausmachen der Konsumation ist es anders. Da zahlt der Verlierer effektiv nur den Anteil der andern. Ich persönlich bin mehr für das Ausmachen auf Heller und Pfennig, trotzdem die Wirte aus naheliegenden Gründen die andere Variante lieber sehen. Da kann jeder trinken, was ihm passt und sei es nur ein Mineralwasser, besonders dann, wenn das Auto vor der Wirtschaft steht. Übrigens soll es beim Jassen um die Konsumation schon mehrmals vorgekommen sein, dass der Verlierer aus lauter Missgunst soviel getrunken hat, dass ihm der Wein aus beiden Ohren hinausgelaufen ist ...

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Am letzten Sonntag spielten meine Mutter, mein Bruder und ich einen «Pandur», bei dem es zu folgender Unstimmigkeit kam: Meine Mutter spielte um 100 Punkte, wobei Schellen Trumpf war, Als alle Trümpfe ausgespielt waren, gab Mutter das Eichel-As. Ich hielt Farbe, aber mein Bruder nicht. Er gab den Schilten-Ober. Anschliessend spielte Mutter den Eichel-Ober, ich stach mit dem König, und mein Bruder schmierte nun auf unsern Stich das Eichel-Banner. Mutter protestierte sofort und verlangte, dass der Zehner gegen den Schilten-Ober ausgetauscht werde. Mein Bruder nahm diesen zu sich und schmierte nun auf meinen Eichel-König das Schilten-As. Mutter war damit aber nicht einverstanden und stellte uns vor die Wahl, entweder den Ober im Spiel zu lassen oder das Spiel zusammenzuwerfen.

Nun möchte ich Dich fragen, lieber Jassonkel, ob meine Mutter das Recht hatte, den Schilten-Ober (oder ganz allgemein eine bestimmte Karte) zu verlangen, denn es geht mittlerweile um eine Wette von 20 Franken.

Für Deine Antwort danken wir Dir recht herzlich Dein Neffe E. G.

Mein lieber Neffe E. G. in Emmenbrücke

Ich gratuliere - allerdings nicht Dir, sondern Deiner Mutter - für die gewonnene Wette. Sie hat sie wohlverdient, denn einen Fehler hat Dein Bruder gemacht, als er nicht «Farbe» gehalten hat. Und ein Fehler muss beim Jass - wie auch sonst im Leben mit allen Konsequenzen vom Fehlbaren ausgelöffelt werden. Übrigens war Deine Mutter noch grosszügig, denn was sie verlangte, ist bei einem gewöhnlichen Jass (Schieber, Bieter usw.) üblich. Beim «Pandur» aber sind die Strafen für fehlerhaftes Angeben noch rigoroser. Laut Jassreglement ist das Spiel (nicht aber die ganze Partie) sofort verloren. Deine Mutter hätte also ohne Wimperzucken die zwei Punkte gutschreiben können.

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

Vor einigen Wochen spielten mein Kollege und ich in unserem Stammlokal mit einem Fremden einen «Pandur». Kurz nach Beginn übernahm ich das Spiel mit 150 P. Ich spielte den Schilten-Bauer als Trumpf aus und wies korrekt «Fünfzig». Als ich das Spiel gekehrt hatte, wurde ich von einem Spielpartner gefragt, von wo der Weis sei. In Gedanken noch beim Trumpfbauer sagte ich vom «Pur», korrigierte aber unverzüglich mit Trumpf-Ober. Der Fremde reklamierte aber und behauptete, der Weis sei ungültig, weil nach gekehrtem Spiel ein falscher Weis nicht mehr korrigiert werden dürfe. Um keinen Streit heraufzubeschwören, verzichtete ich auf Opposition, obwohl ich gar nicht überzeugt war, dass mein Spielpartner im Recht war. Zu allermindest fand ich seine Reklamation als kleinlich. Überflüssig zu sagen, dass ich natürlich ohne Weis die 150 Punkte nicht erreichte. Wir spielten also weiter und ich unterdrückte meinen Ärger.

Nach etwa zwei Stunden machte der fremde Spielpartner ein Angebot mit 200 Punkten. Der nächste Spieler «passte», und dann war es an mir, ein Angebot zu machen oder zu passen. Ich zögerte einen Augenblick, da ich sofort ausrechnen konnte, dass der Fremde einen Hunderter-Weis haben masse. Da ich selbst einen Hunderter hatte, musste ich ein wenig studieren, ob ich beim Weiterbieten von meinem Gegner abgewiesen werden könnte. Ich sah aber schnell dass dies nicht möglich war und wollte gerade etwas sagen, doch da spielte der Gegner schnell den Trumpfbauer und wies Hundert. Nun war ich aber mit seinem Vorgehen nicht einverstanden und reklamierte, da ich weder «passe» noch irgend etwas anderes gesagt hatte. Das Spiel war also noch nicht freigegeben. Aber «oha lätz» ! Der Fremde regte sich furchtbar auf und beschimpfte mich als einen unfairen Spieler. Da stieg mir die Galle hoch, ich warf die Karten hin, bezahlte und ging nach Hause.

Nun sage, mir, lieber Jassonkel, tat ich unrecht? War ich wirklich unfair?

Mit herzlichen Grüssen Dein Neffe W. H.

Mein lieber Neffe W. H. in Cham

Mache Dir keine Vorwürfe, ich glaube, mich hätte es an Deiner Stelle schon beim ersten Vorfall «verjagt»! Was sich Dein fremder Jasspartner leistete, geht über die «Kuhhaut». Aber ich glaube, ihm ging es in erster Linie nur um das Geld, egal mit welchen Mitteln. Er glaubte beim ersten Fall vielleicht formell im Recht zu sein, da im Reglement steht: «Die Korrektur eines Weises darf nur innerhalb der Zeit erfolgen, bevor das Spiel vom folgenden Spieler gedeckt oder vom letzten Spieler gekehrt ist.» Offensichtlich ist damit aber eine falsche Weisansage gemeint, nicht ein Versprecher, besonders dann, wenn die Korrektur unmittelbar erfolgt. Auf solche Weise zu Profit kommen zu wollen, verrät wirklich eine kleinliche Gesinnung, speziell wenn sich die Spielpartner noch nicht gut kennen und eine angemessene Grosszügigkeit am Platze ist, um eine gemütliche Jassatmosphäre zu gewährleisten.

Im zweiten Fall ist Dein Spielpartner eindeutig im Unrecht. Bevor er ausgeben darf, muss er ganz eindeutig mit «gut» oder einer andern Frage die Freigabe des Spiels verlangen. Dein Protest erfolgte zu Recht. Wes Geistes Kind Dein Spielpartner ist, bewies er damit, dass er Dich noch der Unfairness bezichtigte. Da gab es nur jene Antwort, die Du gegeben hast. Mit solchen Leuten einen gemütlichen Jass klopfen zu wollen ist sinnlosl

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel