Jassauskunft
Karten zeigen

Karten offen zeigen oder hinlegen

 

Lieber Jassonkel

Dieser Tage passierte bei einem Jass folgendes: Mein Gegner machte vorhand «Obenabe» mit einem Dreiblatt vom Rosen-As zu viert. Er hoffte wohl, dass ihm sein Partner etwas helfen könne, worin er sich aber gründlich täuschte. Denn mein eigener Partner hatte das Eichel-, Schilten- und Schellen-As, sowie Schellenkönig und Bauer. Als die vier Rosen durchgespielt waren, zögerte unser Gegner, was er nun wohl weiter ausgeben solle, da er wohl gemerkt hatte, dass diesmal mit der Hilfe von Seiten seines Partners nicht viel zu erwarten war. Mein eigener Partner zeigte nun dem Unschlüssigen offen seine Karten, um ihm kundzutun, dass es wirklich egal wäre, was er ausspiele, er werde sowieso die restlichen 5 Spiele einheimsen. Unser zweiter Gegner legte in der Meinung, das Spiel sei gelaufen, seinerseits die Karten hin. Bei genauerem Zusehen entdeckte er aber, dass er mit Schellen- Ober zu dritt noch einen Stich gemacht hätte. Als guter Jasser reklamierte dieser zu Recht. Der Ansager war nun der Meinung, dass alle Karten seiner Partei gehören und er den Match schreiben dürfe. Sein Partner als Gentleman sagte aber, er habe auch einen Fehler gemacht, indem er die Karten hinlegte und schlug deshalb vor, das Spiel zu annullieren, was denn auch gemacht wurde. Der Ansager liess aber trotz der Annullierung die 60 Punkte vom Weis stehen, ich sagte aber nichts, um den Gegner nicht zu kränken, er hätte wohl allzu gerne den geschenkten Match geschrieben. Das Spiel ging nun gemütlich weiter und es wurde über den Vorfall kein weiteres Wort mehr verloren.

Nun möchte ich Dich aber doch noch fragen, lieber Jassonkel was Du zu dieser Geschichte sagst? Falls sich wieder einmal ein ähnlicher Vorfall ereignen sollte, könnte uns Deine Ansicht von Nutzen sein. Also bitte um gefällige Antwort.

Mit freundlichsten Grüssen Dein Emil in Baar

Mein lieber Neffe Emil,

Zuerst einmal ein herzliches Kompliment hierfür, wie die Sache erledigt worden ist, denn bei solchen Vorfällen hat es schon sehr viel «böses Blut» gegeben. Du hast zu Recht auch die sportliche Haltung Deiner Gegner anerkannt, denn stur nach Reglement hätte der Ansager tatsächlich den Match schreiben dürfen, so hart es für Euch gewesen wäre. Das Jassreglement hat dem verfrühten Hinlegen der Karten ein ausführliches Kapitel gewidmet - wohlweislich warum! Es genügt, wenn die Karten ohne ein Wort zu sagen, offen zur Schau gestellt werden. Kann nur ein einziger Stich vom Gegner gemacht werden, gehören sämtliche Karten ihm. Ein hartes Verdikt. Aber sofern alle Spieler mit einer andern salomonischen Lösung einverstanden sind, ist die Sache in Ordnung. Du musst Dir aber im klaren darüber sein, dass Ihr nach Reglement hättet handeln müssen, wenn nur ein Einziger gegen die Mehrheit der andern den Match hätte schreiben wollen. Ich gehe aber durchaus mit Dir einig, dass bei einer Spielannullierung auch der dazugehörige Weis wieder gestrichen werden muss. Dass Du nicht reklamiert hast, war aber unzweifelhaft diplomatisch, denn in Anbetracht der Situation seid Ihr mit den 60 verlorenen Punkten noch gut weggekommen.

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel

 

Lieber Jassonkel

am letzten Sonntag machten wir «en famille» einen Kaffeeiass, wobei es zu einer Meinungsverschiedenheit kam. Ich bin kein «professioneller Wirtshausstratege» und kenne mich daher zu wenig in den Jassregeln aus. Immerhin ist mir bekannt, dass die folgende Regel gehandhabt wird.

«Legt ein Spieler gegen Ende eines Spiels seine Karten 'in globo' auf den Tisch, in der Annahme, er werde alle restlichen Spiele noch gewinnen, so fallen diese der Gegenpartei zu, wenn diese nur eines der restlichen Spiele stechen kann.» Sei uns ist nun folgendes passiert: Mein Gegenspieler machte «Obenabe» und spielte seine Bockkarten aus. Weil er seiner Sache sicher war, liess er die gespielten Karten in der Tischmitte offen liegen, anstatt sie zu kehren und an sich zu nehmen. Die letzte ausgespielte Karte war aber keine Bockkarte, ich konnte sie stechen. Daher nahm ich sämtliche auf der Tischmitte offen daliegenden Karten an mich und berief mich auf die oben erwähnte Spielregel. War ich im Recht oder hätte ich die vorher gespielten und nicht aus dem Spiel genommenen Karten der Gegenpartei überlassen müssen?

Mit bestem Dank für Deine Antwort Dein Neffe H. G.

Mein lieber Neffe H. G. in Luzern

Du bringst mir wieder einmal eines der berechtigten «heissen» Jassprobleme, bei denen hie und da die «Federn fliegen». Sogar das Jassreglement - das sich sonst nicht über besondere Gründlichkeit auszeichnet - hat sich ausführlich mit diesen Vorkommnissen befasst, wohl wissend, dass hier immer wieder die Streitaxt ausgegraben wird. Und dennoch sind im Reglement die offen daliegenden Karten nicht behandelt.

Es ist aber eindeutig klar, dass bei genauer Interpretation des Jassreglementes ein Spiel erst dann beendigt ist, wenn es gekehrt ist. Die offen daliegenden Karten in der Tischmitte können daher nicht als «gekehrt» gelten, auch wenn die nachfolgenden Spiele einzeln abgespielt wurden. Rein formell kann deshalb Deine Beschlagnahme der Karten nicht beanstandet werden. Dennoch muss ich Dich etwas fragen. War es Dir beim billigen «Erben» dieser Karten ganz wohl? Seid Ihr beim Jassen tatsächlich solche «Würmlisammler»? Obwohl es vielleicht dem einen oder andern «Paragraphenreiter» nicht passt, kann ich nicht umhin, nochmals auf die berühmte noble Geste hinzuweisen, die so wichtig für die gemütliche Jassrunde sein kann.

Wenn Du, mein lieber Neffe, auch auf peinliche Korrektheit hältst, wenn Du selbst einmal einen kleinen Fehler begehst, soll das Gesagte keine Kritik an Deinem Verhalten sein, denn wie gesagt, formell bist Du im Recht.

Mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel