Jassauskunft
Bieter

Der Bieter

 

Lieber Jassonkel

Wir sind eine kleine Jassfamilie. Da wir nur zu dritt sind, machen wir jeweils einen Bieter. In unserer Mitte ist ein aggressiver Jasser, der uns die Jassregeln nach seinem Gutdünken aufzwingen will. Letzthin ist nun folgendes passiert:

Der Aggressive hatte keine guten Karten und verlangte «besser». Wir andern zwei bieten, die eine 600, die andere 650. Und nun kommt auf einmal der andere wieder, der «besser» wollte, und brüllt: «700» ! Werter Jassonkel, hatte er überhaupt noch ein Recht, weiter zu bieten, und so hoch, dass die andern nichts mehr sagen konnten? Somit reisst er ganz selbstverständlich das Spiel an sich. Wir sind der Ansicht, dass nicht mehr weiter geboten werden darf wenn man «besser» gesagt hat.

Für Deine Auskunft sagen wir beide herzlichen Dank. Deine Nichte W. 0.

Meine liebe Nichte W. 0. in Engelberg

Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass Du und Deine Partnerin manchmal ein wenig «verschnupft» seid, weil der Dritte ein so scharfer Jasser ist. Nichtsdestoweniger bin ich aber überzeugt, dass der Beklagte kein unfairer Gegner ist, denn die Jassregeln sind schliesslich dafür da, dass sich ein Jass in sportlicher Manier abwickeln kann und Meinungsverschiedenheiten nicht handgreiflich bereinigt werden, was mitunter auch schon vorgekommen sein soll! Im vorliegenden Fall tust Du Deinem Gegner unrecht, wenn Du ihm Willkür vorwirfst, denn was er tat war nach Jassregeln vollständig korrekt: Wer «besser», «fort» oder «passe» gesagt hat bevor ein erstes Angebot gefallen ist, darf wieder mitsteigern. Hat er aber einmal geboten und dann gepasst, dann allerdings darf er nicht wieder einspringen, wenn beispielsweise der zweite Mitspieler «ausgestiegen» ist.

Noch eine persönliche Bemerkung zum Bieter. Es ist natürlich reizvoller, wenn man das Spiel allein übernehmen kann. Das Risiko ist aber auch entsprechend gross. Ein Angebot von 700 Punkten ist schon sehr hoch und da sollte der «Königjasser» schon mindestens die Hälfte im Ansagespiel erreichen, und dann braucht er in den folgenden Spielen erst noch viel Kartenglück, um gewinnen zu können. Darum glaube ich, dass Dein «aggressiver» Gegner mit Dir und Deiner Partnerin oftmals etwas Schabernack treibt und Ihr Euch bluffen lässt. Zahlt es ihm mit scharfem, aber nicht überspanntem Bieten und mit gutem Jassen heim. Wenn es ihm an den «Geldsäkkel» geht, wird er mit seinen ulkigen Tricks sehr schnell aufhören. Nur den Mut nicht verlieren -

das wünscht Dir mit herzlichen Grüssen Dein Jassonkel