Jassarten
Zuger

Der Zuger

 

Ein Jass, der vielerorts geradezu leidenschaftlich gespielt wird, ist der Zuger. Woher er kommt, von wem er stammt - niemand weiss es genau. Dem Namen nach müsste es sich um einen währschaften Innerschweizer handeln, dessen Wiege am lieblichen Zugersee stand. In ihm ist alles, was Oberhaupt in einem gediegenen, spannenden Jass sein kann. Darum muss jeder, der sich an den Zuger heranwagt, die Spielregeln sozusagen vorwärts und rückwärts beherrschen. Der Zuger kann von vier, drei und zwei Spielern gespielt werden.

Der Zuger für vier Spieler

Derjenige, der aufschreibt, gibt als erster das Spiel und teilt jedem seiner drei Mitspieler 3x4 Karten aus. Der Spielgeber selbst spielt nicht mit, er erbt aber 10 Punkte. Die unterste Karte ist Trumpf und kann nicht geraubt werden. Wird das Spiel falsch verteilt, kommt der nächste zur Ausgabe. Natürlich werden dem schuldigen Spielgeber keine Erbpunkte gutgeschrieben.

Wie geschrieben wird: Die Tafel wird in vier Senkrechtkolonnen - für jeden Teilnehmer eine Kolonne - aufgeteilt. Wer im Spiel nicht 21 Zählpunkte erreicht, fällt herunter und erhält einen Abzug von 10 Punkten. Auf der Tafel werden vom Spiel oder Weis nur die Zehnerwerte notiert. 20 bis 29 Punkte zum Beispiel sind zwei Tafelpunkte, bei 90 bis 99 Zählpunkten werden 9 Punkte geschrieben usw. Verzichtet einer der Spieler aufs Mitmachen (er bleibt «zu Hause»), können die beiden übrigen Teilnehmer freiwillige je 7 Punkte plus je die Hälfte eines allfälligen Weises schreiben. Auch beim Weis wird abgerundet. Ein geteilter Fünfziger zum Beispiel ergibt nur je 2 Punkte.

Es kann aber auch nur das Spiel geteilt und der Weis vom betreffenden Teilnehmer für sich beansprucht werden. Der Partner, wenn er sich weigert, diesen Vorschlag anzunehmen, kann entweder mehr vom Spiel verlangen - zum Beispiel 10 zu 5 Punkte - oder es muss gespielt werden. Wird gespielt, so zählen die effektiv erreichten Punkte.

Spielen sämtliche drei Teilnehmer mit, so kann man Teilung zwischen zwei Spielern nur dann vorschlagen, wenn der dritte Spieler damit einverstanden ist. Ist dies der Fall, darf nicht weiter gespielt werden. Macht zum Beispiel ein Spieler mit Bauer allein den Trumpfbauerstich, so können diesem 3 Punkte offeriert werden. Die andern zwei Spieler teilen das Spiel, beziehungsweise den Rest. Haben es zwei Partner so weit gebracht, dass der dritte herunterfällt, so wird gewöhnlich das Spiel unter diesen beiden (aber nicht der Weis) geteilt. Gibt es beim Teilen des Spieles einen ungeraden Punkt, so erhält ihn derjenige, der den Trumpfbauern in den Händen hat. Verzichten zwei Spieler auf die Teilnahme, weil eventuell für sie beide die Gefahr besteht, herunterzufallen, so bekommt der verbleibende Spieler nebst dem Zählwert seiner Karten (plus Weis) noch 10 Punkte extra gutgeschrieben.

Das letzte Spiel einer Partie kann von dem Spieler, der am wenigsten Punkte totalisiert hat, als «obligatorisch» erklärt werden. Dabei dürfen aber nicht mehr als 14 Punkte noch auszumachen sein. Die Erklärung für «obligatorisch» muss aber vor Beginn des letzten Spieles erfolgen.

Endspielzahl im gewöhnlichen Zuger sind 100 Punkte. Eine Partie ist beendet, wenn sich Pluspunkte und Minuspunkte bei der Endpunktzahlgrenze ausgleichen. Beim Ausmachen schreibt zuerst der Spielgeber seine 10 Punkte, dann derjenige, der im letzten Spiel (inklusive Weis) die meisten Punkte erzielt hat usw. Der Verlierer gibt alsdann die neue Partie aus.

Der Zugerweis: Gültig ist der grosse Weis bis 300 Punkte. Vier Nell sind 150 Punkte. Es kann durcheinander (übers Kreuz) gewiesen werden, 100 vier Könige und 50 vom As oder 150 vier Nell und 100 vom Banner usw. Mit andern Worten: Eine Karte kann zweimal gewiesen werden.

Wie gespielt wird: «Vorhand » erklärt, ob er mitmacht oder nicht, dann der zweite, und alsdann der dritte. Ein Spieler kann «eventuell» ansagen: er spielt nur - und muss aber auch spielen wenn der zweite verzichtet.

Der Zuger für drei Spieler

Der Spielgeber spielt mit und erbt deshalb auch nichts. Im übrigen spielt sich der Zuger zu dritt wie derjenige zu viert.

Der Zuger für zwei Spieler

Der Schreiber gibt das erste Spiel, und zwar 3x4 Karten. Die 25. Karte wird gekehrt und ist Trumpf. Alsdann erhält jeder Teilnehmer noch drei Karten gedeckt extra auf den Tisch. Diese drei Karten nennt man die «Besseren». Die unterste Karte des Stockes darf eingesehen werden. Die drei «Besseren» dürfen erst nach Ablegen von drei beliebigen Karten aufgenommen werden. Das Aufnehmen der «Besseren» ist nicht obligatorisch, aber es dürfen nur alle drei oder keine aufgenommen werden. Erklärt man den Verzicht auf die «Besseren», so dürfen diese nachträglich vom «verzichtenden» Spieler eingesehen werden. Der Partner hat nicht das Recht, die verschmähten «Besseren» für sich zu beanspruchen. Er kann aber das Spiel (nicht die Partie) annullieren lassen, wenn sie unkorrekt aufgenommen wurden.

Mit der Annahme der «Besseren» ist keine Verpflichtung verbunden, am Spiel teilzunehmen. Jeder Spieler muss erklären, ob er mitspielt (ob er «komme»). Nach dieser Erklärung kann mit dem Trumpf-Sechser die Trumpfkarte auf dem Stock geraubt werden. Das «Rauben» muss aber vor dem Ausspielen der eigenen ersten Karte erfolgen. Die übrigen Vorschriften sind gleich wie beim Vierer- oder Dreierspiel.

Zuger mit Fabrik

Um den ohnehin interessanten Zuger noch attraktiver zu gestalten, werden zum voraus bestimmte Farben doppelt gezählt. Neuerdings sehr «en vogue» sind eine Farbe vierfach, eine Farbe dreifach, eine Farbe doppelt und eine Farbe einfach, wobei diese einfache Farbe gleichzeitig noch «obligatorisch» ist. Der «Erber» erhält in diesem Falle 40, 30, 20 oder 10 Punkte gutgeschrieben. Fällt einer der Teilnehmer herunter, wird ihm die entsprechende Punktzahl, je nach Farbe vierfach, dreifach, doppelt oder einfach abgezogen.

Wie wird der Zuger gejasst?

Grundsätzlich sollte in jedem Spiel derjenige Spieler aufs Korn genommen werden, der in Gefahr schwebt, die nötigen 21 Punkte nicht machen zu können. Es ist natürlich unkorrekt, einen bestimmten Partner schonen zu wollen. Da liegt auch das «Kriegsbeil» begraben, und aus diesem Grunde wird da und dort der Zuger als «unfairer» Jass bezeichnet. Sehr zu Unrecht, denn ein Jass als solcher ist so fair oder so unfair wie die Spieler selbst.

«Vorsicht ist die Mutter der Weisheit», lautet das Motto auch beim Zuger Jass! Jeder sehe zu, dass er nicht «herunterfällt», besonders wenn die Trumpffarbe mehrfach zählt. Anderseits sollte man auch beim Teilen nicht allzu geizig sein, um die Stimmung nicht zu trüben. Bei ausgeglichenen Handkarten werden gewöhnlich auch Fünfziger- und sogar Hunderterweise geteilt. Nimmt einer der Spieler nur wegen dem Weis am Spiel teil und hat schlechte Trumpf- und Handkarten, so sollte auch ein Weis von über 100 Punkten zum Teilen, oder - den Karten des Partners entsprechend - «mehr vom Spiel» offeriert werden. «Mehr vom Spiel» will heissen, dass der Spieler mit dem Weis seinem Partner 10 Punkte überlässt, währenddem er vom Spiel nur deren 5 Punkte kassiert.