Jassarten
Differenzler

Der Differenz-Jass oder «Differenzler»

 

Der «Differenzler» ist ein raffinierter Jass, ein Jass, der es in sich hat! Trotz seiner Unkompliziertheit erfordert der offenbar aus der Ostschweiz stammende Differenzler nicht nur jasstechnisches Können, sondern auch ein gutes Gedächtnis und eine gehörige Portion Schlauheit. Er gehört eigentlich in die Kategorie der Bieter. Im Gegensatz zum Vierer- oder Dreier-Bieter könnte man ihn auch als Einer-Bieter bezeichnen, da jeder mit seinen Karten so viel anbietet, als er glaubt, allein machen zu können. Ein besonderer Vorteil des «Differenzler»: die Zahl der Mitspieler ist praktisch unbeschränkt. Mit dem «Einfachkart» können 4, 3 oder 2 Spieler und mit dem «Doppelkart» 5, 6 oder 8 Spieler mitmachen.

 

Der einfache «Differenzler»

Für 4 Spieler: Es werden 4x9 Karten verteilt. Der «Ablupf» ist Trumpf und wird offen so lange auf den Tisch gelegt, bis fertig geboten ist und das Spiel beginnt. Der «Ablupf » darf nicht geraubt werden. «Vorhand» bietet an, und zwar so viel, wie er glaubt mit seinen Karten machen zu können. Zum Beispiel mit Trumpfbauer zu zweit, ohne Handkarten, zwischen 30 und 40 Punkten, mit Handkarten entsprechend mehr. Haben alle Teilnehmer ihr Angebot gemacht, gibt Vorhand aus, und jeder Spieler versucht, so nahe als möglich an seine Punktzahl heranzukommen. Es zählt nur das Spiel; es wird nicht gewiesen. Beim einfachen «Differenzler» zählen auch die Stöcke nicht.

Für 3 Spieler: Es werden 3 x 4 Karten ausgeteilt. Im übrigen spielt sich der Differenzler für 3 Spieler genau so, wie derjenige für 4 Spieler.

Für 2 Spieler: Jeder Teilnehmer erhält 3x4 Karten. Die 25. Karte des «Stockes» ist Trumpf. Gespielt wird wie beim Differenzler für 4 oder 3 Spieler.

Wie geschrieben wird: Jeder Spieler erhält auf der Tafel eine Senkrechtkolonne. Nach jeder Runde werden die Differenzpunkte zum angesagten Gebot von jedem Spieler als Minuspunkte auf der Tafel notiert. Zum Beispiel bei drei Spielern: A hat 35 Punkte angesagt und 40 gemacht, B hat 78 Punkte angesagt und 69 gemacht, und C hat 48 Punkte angesagt und genau 48 Punkte erreicht. A erhält die Differenz von 35 auf 40 Punkte = 5 Punkte als Schlechtpunktzahl und B die Differenz von 78 auf 69 = 9 Punkte, ebenfalls als Schlechtpunktzahl auf der Tafel geschrieben, während C mit 48 angebotenen und 48 erreichten Punkten keine Differenz aufweist. Ihm wird auf der Tafel eine Null in die Kolonne eingetragen. Weil der Letztbietende einen nicht zu verachtenden Vorteil geniesst - er kann die Situation nach den vorangegangenen Angeboten besser abschätzen - ist es fair, eine bestimmte Anzahl Runden (2, 3 oder 4) bis zur Abrechnung auszumachen und nicht eine bestimmte Endpunktzahl. Damit gelangt jeder Teilnehmer gleich oft in die Position als Erst- und Letztbietender, und der Gerechtigkeit ist Genüge getan.

 

Der « Differenzler» mit Schikanen

Bei diesem Jass gibt es eine Bonifikation von 10 Punkten, wenn das Angebot auf den Punkt genau erreicht wird. Ausserdem zahlen auch die Stöcke, nach Wahl als Additions- oder als Subtraktionspunkte, im Spiel. Unbedingte Voraussetzung aber ist, dass die Stöcke bei Ausgabe der zweiten Karte gewiesen und zugleich als Plus- oder Minusstöcke angesagt werden. Zu später Stöckweis oder verspätete Wertansage sind ungültig. Es steht aber jedem Spieler frei, die Stöcke zu weisen oder nicht. Andere Weise als die Stöcke gibt es hier keine.

Beim angesagten Nullerspiel gibt es - wenn der betreffende Spieler sein Ziel erreicht und keinen Stich entgegennehmen muss - die Gutschrift von 10 Punkten nicht. Macht der Spieler mit dem Nullangebot aber einen oder mehrere «leere» Stiche, das heisst Stiche, bei denen keine zählende Karte dabei ist, hat er Anspruch auf die Bonifikation von 10 Punkten.

 

Differenz-Jass mit geheimem Angebot

Diese recht spannende und unterhaltsame Art den Differenzler zu Jassen ist mit etwas Schreibarbeit verbunden. Er ist aber besonders reizvoll, weil kein Spieler weiss, wieviel Punkte seine Gegner erreichen wollen. Er muss es während dem Spiel mit psychologischem Feingefühl herausfinden und in erster Linie versuchen, möglichst nahe an seine eigene aufgeschriebene Punktzahl heranzukommen.

Der geheime «Differenzler» ist denn auch - trotz seiner Spannung - der fairste und friedlichste Jass unter allen Jassarten, weil man nicht absichtlich auf einem bestimmten Jasspartner «herumreiten» kann. - Und wenn man verliert, so ist weder Freund noch Feind daran schuld, nur der Verlierer selbst!

Nach verteilten Karten wird das Angebot nicht bekanntgegeben, sondern jeder Spieler schreibt es auf einen Zettel, ohne dass ein anderer die Zahlen seiner Mitspieler einsehen kann. Alle schieben alsdann den Zettel unter den Jassteppich, und das Spiel beginnt wie beim normalen Differenzler. Nach Ende jeder Runde werden die Zettel zur offiziellen Abrechnung hervorgeholt.

 

Einige Tips zum Differenzler

Wie bereits erwähnt, ist der Erstbietende insofern leicht benachteiligt, als sich seine Partner nach seiner Ansage richten können. Diesen Nachteil kann er indessen durch Bluffen wettmachen, das heisst, er kann mit Absicht mehr oder weniger bieten, als er mit seinen Handkarten eigentlich sollte. Im allgemeinen wird dabei eher unterboten als überboten. Es kann ohne weiteres vorkommen, dass die Summe der Angebote bis zu 40 Punkten über den effektiven 157 Spielpunkten liegt. Hier ist eine wichtige Regel zu beachten: Ist die Summe der Angebote über 157 Punkten, soll man ebenfalls Schlechtpunkte über dem eigenen Angebot kassieren. Ist die Summe aber unter 157 Punkten, ist es besser, Minuspunkte zu kassieren. Beispiel: Spieler A hat 60 Punkte, Spieler B 77 Punkte und Spieler C 40 Punkte, total also 177 Punkte, angesagt. Während dem Spiel nun hat A 54 Punkte erreicht und hat nun die Wahl, dem Spieler C einen Stich von 14 Punkten (zum Beispiel As und Ober) anzuhängen oder selbst zu machen. Sticht er nicht, bleibt er bei 54 Punkten und muss sich 6 Schlechtpunkte ankreiden lassen. Sticht er aber, kommt er auf 68 Punkte und muss sich 8 Schlechtpunkte notieren lassen. Er - Spieler A - soll aber stechen, weil überboten wurde, trotzdem er 2 Schlechtpunkte mehr entgegennehmen muss. Sticht er nicht, hat A 54 Punkte (-6 Schlechtpunkte), B 67 Punkte (-10 Schlechtpunkte) und C 36 Punkte (-4 Schlechtpunkte). Nimmt A aber den Stich, so schreibt er 68 Punkte (+8 Schlechtpunkte), B 67 Punkte (-10 Schlechtpunkte) und C 22 Punkte (-18 Schlechtpunkte). Im ersten Fall hat Spieler A an seinen Gegnern nur insgesamt 2 Punkte verdient, im zweiten Fall aber 12 Punkte. Analoge Vergleichsrechnungen lassen sich ebenfalls beim Unterbieten machen.

Bei der Schlussabrechnung kann ähnlich wie beim Zuger das arithmetische Mittel (Niveau = gesamte Schlechtpunktezahl dividiert durch 4 bei vier Spielern) ermittelt werden. Spieler, die unter diesem Niveau liegen, zahlen den andern pro Schlechtpunkt - je nach vorheriger Abmachung - einen Rappen, oder Bruchteile davon, aus.

Beim Viererspiel kann auch der Letzte dem Ersten und der Dritte dem Zweiten die Differenz auszahlen, eine Regelung, die wesentlich weniger zu rechnen gibt.

 
Differenzler - Schreibtafel