Jassarten
Bieter

Der Steiger, Bieter oder Büter

 

Eines der meistverbreiteten Jassspiele für drei Personen ist der Steiger, meistens Bieter oder Büter genannt. Der Spielgeber verteilt dreimal vier Karten. Beim einfachen Bieter hat «Vorhand» das Recht, das Spiel allein gegen seine beiden Partner zu übernehmen, sofern er mindestens 350 Punkte ansagt und die beiden Partner diese Ansage nicht überbieten. Das heisst, er muss in der Partie 350 Punkte machen, während seine beiden Gegner zusammen 1‘000 Punkte erreichen müssen. Es gilt der kleine Weis. Der nächste kann nun aber das Gebot seines Vorgängers von 350 um jeweils mindestens zehn Punkte überbieten. Hat er kein gutes Spiel, kann er «pass», «besser» oder «fort» sagen. Derjenige, der schliesslich das höchste Gebot macht, erhält das Spiel allein. Er kann eine beliebige Farbe zum Trumpf erklären und gibt zugleich zum ersten Spiel die Karten aus. Nach Beendigung des Spiels gibt er die Karten nochmals. Trumpf ist diesmal die abgehobene Karte, die dem Spieler gehört. Dieser Trumpf kann nicht mit einem Sechser geraubt werden. Sagen sämtliche drei Spieler «pass», so wird das Spiel neu verteilt. Wer beim Bieter «fort» gesagt hat, ehe ein erstes Angebot gefallen ist, darf später wieder mitsteigern. Ist aber bereits ein Angebot offeriert und hat er daraufhin «pass» gesagt, darf er nachträglich nicht mehr bieten. Fällt nur ein einziges Angebot von mindestens 350 Punkten, so wird die Partie dem Bietenden zugeschlagen, auch wenn die beiden andern Bieter-Spieler «besser» verlangen. Der Bietende hat vom zweiten Spiel an das Recht, ohne zu spielen den Match anzunehmen, sofern er glaubt, kein einziges Spiel machen zu können. Ein Match zählt auch hier 157 Spielpunkte plus 100 Punkte extra. Wird der Match im vorliegenden Falle angenommen, bevor die erste Karte ausgespielt ist, zählt ein eventueller Weis der Gegner nicht, sondern nur die Stöcke.

Bevor mit dem Rundenspiel begonnen wird, kann der Einzelspieler gefragt werden, ob er mitspiele («komme») oder nicht. Hat er zugesagt, kann er den Match nicht mehr freiwillig annehmen in der Hoffnung, der Weis des Gegners zähle in diesem Falle nicht. Anderseits kann der Einzelspieler den Match ohne Weis annehmen, wenn er vom Gegner nicht angefragt wurde, ob er «komme», auch wenn dieser bereits eine Karte ausgespielt und sogar gewiesen hat. Hat aber der Einzelspieler seinerseits schon eine Karte auf den Tisch gespielt, kann er nicht mehr zurücktreten: Der Weis ist gültig.

 

Dreier-Bieter mit «besseren» Karten

Diese Spielart hat den einfachen Bieter, wie er oben geschildert wurde, fast völlig verdrängt. Der Spielgeber teilt jedem Spieler fünf Karten aus und legt drei Karten verdeckt und drei Karten offen auf den Tisch. Diese sechs Karten sind die «Besseren». Alsdann werden nochmals jedem Spieler fünf Karten verteilt. Das Minimum des Anbietens beträgt an gewissen Orten 500 Punkte, an andern 600 Punkte, je nachdem der grosse Weis (Zuger Weis) nur für das erste Spiel oder während der ganzen Partie gilt. Der grosse Weis gilt bis 300; ebenfalls gültig sind vier Nell, die 150 Punkte ergeben, und zudem kann übers Kreuz gewiesen werden, zum Beispiel Hundert vom Schilten-As und Hundert für vier Könige. Das Bieten geht wie im einfachen Bieter vor sich (siehe oben). Der Einzelspieler kann die sechs «besseren» Karten aufnehmen und an deren Stelle sechs Karten, die ihm nicht passen, ablegen.

Beim Aufnehmen der «Besseren» haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Bräuche ergeben, die von Ort zu Ort verschieden sind. Die verdeckten drei Karten dürfen von den zwei Gegnern nicht eingesehen werden, oder dann, wenn Einsichtnahme erwünscht ist, müssen die zwei Gegner statt 1‘000 Punkte deren 1‘050 erreichen, also 50 Punkte mehr! Neuerdings scheint sich doch der Brauch durchzusetzen, dass die drei verdeckten Karten kommentarlos und ohne dass zusätzlich 50 Punkte «Strafe» bezahlt werden müssen, gezeigt werden.

Legt der «Steigerer» seine ausgetauschten Karten falsch ab, zum Beispiel eine zu viel oder eine zu wenig, so schreibt die Gegenpartei den Match (257 Punkte), sofern er bereits eine Karte ausgespielt hat. Der Einzelspieler darf in diesem Falle weder Spiel- noch Weispunkte notieren. An gewissen Orten wird sogar das falsche Austauschen mit Verlust der ganzen Partie bestraft.

Um Differenzen zu vermeiden, werden bei neuen Spielpartnern die geltenden Usanzen am besten vor Beginn der Partie abgeklärt und festgelegt: die «Schatzung», das heisst die Höhe des minimalsten Angebotes, die Weisart (nur am Anfang im ersten Spiel oder durchgehend), mit oder ohne «Schneider», mit oder ohne Zeigen der «Besseren».

 

Der Vierer-Bieter

Der Vierer-Bieter wird noch da und dort gespielt. Er ist für vier Personen und gilt als ausgesprochener Glücksjass. Es werden viermal vier Karten verteilt, dann zwei Karten verdeckt und zwei offen auf den Tisch gelegt und dann wieder viermal vier Karten an die Spieler abgegeben. Das minimale Angebot ist 250 oder 300 Punkte. Der Höchstbietende spielt gegen die anderen drei, die 1‘000 Punkte erreichen müssen. Im übrigen gelten die Regeln des Dreier- Bieters mit «Besseren».

Nützliche Hinweise für den Bieter

Derjenige, der «anreisst», also das erste Angebot macht, sollte mit den für ihn sichtbaren Karten wenigstens die Hälfte der von ihm gebotenen Punktzahl machen können. Spekulationen auf die versteckten Karten bringen meistens eine Enttäuschung.

Der Einzelspieler versucht vorteilhaft «hindenab» zu sein, das heisst, er versucht das Spiel so zu drehen, dass er als letzter die Karte ausgeben muss. Gelingt ihm das, so behält er das Spiel mehr oder weniger unter Kontrolle und kann das Maximum an Punkten herausholen. Seine beiden Gegner versuchen natürlich, das Gegenteil zu erreichen und sind bestrebt, den Einzelspieler in die «Klemme» zu nehmen. Einer von den beiden sollte stets «vorhand»sein, wenn nicht getrumpft werden kann. Dazu sticht derselbe zum Beispiel vorteilhaft mit einem König in die Karte seines Partners, sofern er auch das gleichfarbene As sein eigen nennt. Auch kann er mit einem Trumpf «hineinzünden», um zum Ausgeben zu kommen. Ist der Einzelspieler in der Mitte, sollte hoch und mit der «langen Farbe» gespielt werden. Nützlich ist auch folgende Regel für die Doppelspieler: kurzer Weg (zum Einzelspieler), lange (hohe) Farbe - langer Weg, kurze Farbe ! Vorsicht ist auch beim Trumpfen geboten, sofern der Einzelspieler «hindenab» ist. In diesem Fall sollte man beispielsweise nicht mit Nell zu dritt als erster antrumpfen und auf keinen Fall das Nell ausspielen, denn damit würde dem Gegner Gelegenheit geboten, mit dem Bauer (sofern er ihn hat) abzustechen und mit Nachtrumpfen das ganze Spiel von den Trümpfen zu säubern. Beim Trumpfen verliert ja bekanntlich die Doppelspieler - Partei zwei Trümpfe, der Einzelspieler hingegen nur einen. Dies sollte beim Bieter ständig bedacht werden.